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Strategie

102-14: Erklärung des höchsten Entscheidungsträgers

Liebe Leserinnen und Leser, 

die UN-Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz im vergangenen Jahr hat deutlich gemacht: Die Klimaprobleme unseres Planeten sind heute drängender denn je. Der verschwenderische Umgang mit Ressourcen belastet unsere Erde auf dramatische Weise. Gleichzeitig haben alle Beteiligten realisiert, dass internationale Lösungen nötig sind, um die Herausforderung zu bewältigen. 

Die Kreislaufwirtschaft ist ein vielversprechender Lösungsansatz. Für ein zirkuläres Wirtschaftsverständnis müssen klassische Sichtweisen auf die Wertschöpfung durchbrochen und hinterfragt werden. Neue Perspektiven sind notwendig, um Innovationen zu schaffen und so das wirtschaftliche Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. 

Mit unseren maßgeschneiderten Lösungen gehen wir deshalb immer wieder neue Wege. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir neue Design-for-Recycling-Ansätze, realisieren Upcycling-Lösungen, bereiten Produkte für ihre Wiederverwertung auf und entwerfen neue Sharing-Economy-Modelle. Um unserer Vision „zero waste solutions“ näher zu kommen, stellen wir uns zunehmend auch international auf.

In unserem vorliegenden Nachhaltigkeitsbericht 2018 stellen wir die Leistungen von Interseroh transparent dar. Wir zeigen, wie wir Nachhaltigkeit im Kerngeschäft und an unseren Standorten vorantreiben, wie wir uns in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt haben und welche Herausforderungen wir in Zukunft meistern wollen. Im Fokus steht unsere neue Nachhaltigkeitsstrategie, an deren Zielen und KPIs (Key Performance Indicators) wir uns jährlich messen lassen.
Wie einige unserer Lösungen konkret aussehen, können Sie in unserem Nachhaltigkeitsmagazin nachlesen.

Wir wünschen Ihnen eine informative und anregende Lektüre und freuen uns darauf, die Entwicklung hin zu einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft gemeinsam mit Ihnen voranzutreiben.

Ihre Geschäftsführung
Markus Müller-Drexel, Dr. Timo Langemann, Hans-Stefan Kalinowski

102-15: Wichtige Auswirkungen, Risiken und Chancen

Interserohs Geschäftsmodell orientiert sich an drängenden gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen: Mit Blick auf den enormen Rohstoffbedarf der Industrienationen werden zunehmend Konzepte benötigt, die Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen. Die Idee einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft stellt diesbezüglich einen besonders nachhaltigen Ansatz dar.

Mit der Mission „zero waste solutions“ will Interseroh als Recyclingspezialist den steigenden Ressourcenbedarf nachhaltig sichern und dafür sorgen, dass wertvolle Rohstoffe nicht unnötig verschwendet werden. Allein 2017 konnten durch die Recyclingaktivitäten und sonstige Dienstleistungen von Interseroh rund 5,8 Millionen Tonnen Primärressourcen eingespart und 834.129 Tonnen Treibhausgase vermieden werden.

Steigendes Bewusstsein

Globale Herausforderungen wie der Klimawandel sowie das wachsende Bewusstsein in der Bevölkerung und in der Wirtschaft für Ressourcenschonung und Klimaschutz tragen dazu bei, dass die Nachfrage nach Interserohs Dienstleistungen in den letzten Jahren stetig gestiegen ist.

Recycling wird für Interserohs Kunden immer bedeutender. Denn Unternehmen, die durch konsequentes Recycling Wertstoffkreisläufe im Kerngeschäft verankern, reduzieren ihre Abhängigkeit von volatilen Primärrohstoffmärkten, schonen das Klima und sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit. Für Europas Volkswirtschaften schätzt die Ellen MacArthur Foundation Stiftung in der Studie „Achieving 'Growth Within'“ (2017) das ökonomische Potenzial der Kreislaufwirtschaft auf rund 320 Milliarden Euro bis 2025.

Wachsende politische Regulierungen

Auch politische Entwicklungen machen die steigende Bedeutung von Ressourcenschonung und Umweltschutz deutlich: Bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris haben sich 196 Staaten dafür ausgesprochen, die globale Erwärmung auf maximal 2°C zu begrenzen. Ihr folgten die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz 2018 wurden weitere Schritte beschlossen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Eine konkrete rechtliche Änderung, die Interseroh unmittelbar betrifft, ist das neue Verpackungsgesetz. Seit dem 1. Januar 2019 in Kraft, fordert es unter anderem höhere Recyclingquoten – ab 2019 steigen diese beispielsweise bei Kunststoffen auf 58,5 Prozent – und den verstärkten Einsatz von Recyclingmaterialien. Grundlage ist die Verantwortung des „Erstinverkehrbringers“ für die Kreislaufführung der Verpackung. Interseroh arbeitet daher eng mit Verpackungsherstellern zusammen, um seine Recyclingexpertise bereits bei der Entwicklung des Verpackungsdesigns einzubringen. Mit dem Online-Shop Lizenzero ermöglicht es Interseroh zudem auch kleinen und mittleren Unternehmen, ihre Verpackungen gesetzeskonform zu lizenzieren.

Auch die Kunststoffstrategie der Europäischen Union wirkt sich auf Interserohs Geschäft aus. Ziel der EU ist es, mithilfe innovativer Lösungen Kunststoffabfälle einzudämmen und Recycling zu fördern. Um einen weltweiten Wandel zu bewirken und globale Lösungen zu finden, will sie mit Partnern aus der ganzen Welt zusammenarbeiten.

Volatile Rohstoffpreise

Risiken ergeben sich für Interseroh vor allem aus den volatilen Rohstoffpreisen. Ihre Entwicklung ist oftmals schwer vorherzusagen, wirkt sich aber mittelbar auf die Nachfrage nach Interserohs Dienstleistungen aus. Durch stetige Analysen, die Beobachtung entsprechender Märkte und darauf basierende Prognosen versucht Interseroh, diesem Risiko entgegenzuwirken.

Ein weiteres Risiko sieht das Unternehmen im Recruiting qualifizierter Mitarbeiter, insbesondere von IT-Fachkräften. Der Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte verstärkt sich weiter, zugleich sind sie gerade im Zuge der Digitalisierung, die auch Interserohs Geschäftsbereiche stark verändert, Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Unternehmen. Interseroh setzt daher auf eine vorausschauende Personalplanung und verstärktes Recruiting.

Risikomanagement bei Interseroh

Um die Chancen und Risiken, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben, frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und zu steuern, hat Interseroh ein Steuerungs- und Kontrollsystem in einem einheitlichen Risikomanagement eingeführt. Die Kernbereiche dieses Risikomanagements sind die strategische und operative Unternehmensplanung, das interne Berichtswesen, das interne Kontroll- und Compliance-System (siehe GRI 307: Umwelt-Compliance, und GRI 419: Sozioökonomische Compliance), das Treasury-Management sowie das Risikofrüherkennungssystem.